Zwei wie Bonnie und Clyde

… denn sie wissen nicht, wo sie sind!

Eine turbulente und aberwitzige Komödie

Sabine Misiorny und Tom Müller als »Zwei wie Bonnie und Clyde« (2010)

Die beiden beweisen, dass es nicht immer ein bedeutungsschweres Stück sein muss, um Erfolg auf der Bühne und vor allem beim Publikum zu haben. Schwungvolle Komödien dieser Art, so locker-leicht inszeniert, wünscht man sich öfter.
Neue Westfälische

Die Zuschauer kommen wegen der unglaublichsten Pannen aus dem Lachen kaum heraus. Dieses Stück birgt Nonsens en masse. Es ist schreiend komisch und oftmals an der Grenze zum Absurden. Dazu ist es rasant bis zum Äußersten. [...]
»Zwei wie Bonnie und Clyde« ist empfehlenswert für Jung und Alt gleichermaßen, eine wunderbare Familienunternehmung!
Lippe aktuell

Manni und Chantal alias Bonnie und Clyde träumen vom großen Geld, Heirat in Las Vegas, Flitterwochen auf Hawaii. Dafür muss aber erst mal eine Bank geknackt werden. Ein Kinderspiel!
Zumindest, wenn die Beifahrerin auf der Flucht Straßenkarten lesen könnte und nicht ständig rechts und links verwechselte …
Dass sie schließlich in einem ehemaligen Schuhlager landen, ist noch das geringste Übel für die Möchtegern-Ganoven. Viel schlimmer ist, dass Chantal anstatt der Beute die Einkaufstüte einer Bankkundin mitgenommen hat. Also muss ein neuer Versuch gestartet werden, doch die Tücke liegt im Detail, sprich: in einem enormen Umweg zur Bank, einer plötzlich geballten Konkurrenz weiterer Bankräuber, blickdichten Strumpfmasken und einem leeren Tank. Trotz umfangreicher Generalproben scheitern auch die nächsten Versuche, ans große Geld zu kommen.
Dass schließlich zumindest für Chantal ein Happy End in Sicht ist, verdankt sie natürlich eher dem Zufall als ihrer Intelligenz …
»Zwei wie Bonnie und Clyde« ist wahrlich eine Tour de Force für die Lachmuskeln, ein groteskes Abenteuer, bei dem ein Gag den nächsten jagt und die Lage für das dilettantische Gaunerpärchen immer verzwickter und verrückter wird.


Textauszug


Auszug aus der 1. Szene

(…)

Manni: (geht zum Tisch, breitet die Landkarte darauf aus und beginnt sie zu studieren, stutzt) Komm mal her.

Chantal: (kommt zu ihm) Ja?

Manni: Wo sind wir?

Chantal: (blickt auf die Karte, offensichtlich etwas orientierungslos)

Manni: Sieh mal: Da ist die Bank, da sind wir losgefahren, in diese Richtung. Und wo sind wir jetzt?

Chantal: Also, da ist die Bank …

Manni: Na, wo?

Chantal: Dann sind wir gefahren …

Manni: Nun sag schon, wo?

Chantal: Moment! Ich muss mich erst mal organisieren!

Manni: Orientieren?

Chantal: Ja, das auch.

Manni: Also los, nun mach schon voran. Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit.

Chantal: Also, wenn da die Bank ist, dann sind wir gefahren …

Manni: Nun sag schon, wo sind wir?

Chantal: Weiß nicht.

Manni: Was soll das heißen: Weiß nicht?

Chantal: Das heißt: Ich weiß nicht, wo wir sind!

Manni: Aber he, Moment mal: Du hast doch die ganze Zeit in die Karte gesehen!

Chantal: Ja, aber du bist doch so schnell gefahren! Und dann bist du nach links abgebogen, und da hab ich die Karte gedreht. (Sie dreht die Karte um 90°.) Und dann bist du noch mal abgebogen, und da hab ich die Karte noch mal gedreht. (Sie dreht die Karte um weitere 90°.) Und jetzt weiß ich nicht mehr, wo wir sind.

Manni: (verdreht die Augen) Ja, klar! (Er dreht die Karte wieder in die richtige Position.) Wo war das? Ungefähr?

Chantal: Ungefähr?

Manni: Ja!

Chantal: Also, sagen wir mal …

Manni: Nicht: Sagen wir mal!

Chantal: Also wenn da die Bank ist …

Manni: Dann sind wir gefahren in diese Richtung …

Chantal: Dann sind wir gefahren …

Manni: Und? Wo hast du uns verloren?

Chantal: (zeigt auf einen Punkt in der Karte) Hier!

Manni: (ungläubig) Was? Da? Da waren wir vor über zwei Stunden!

Chantal: (teilnahmslos) Kann sein!

Manni: Wir fahren hier zwei Stunden durch die Gegend, ohne zu wissen wohin, und du sagst kein Wort?

Chantal: Ich dachte, dann wirst du wieder böse!

Manni: (schlägt die Hände über dem Kopf zusammen) Hast du denn wenigstens irgendwo unterwegs auf ein Schild gesehen?

Chantal: Nein! Du bist doch so zielsicher gefahren, da habe ich gedacht, du weißt, wo wir sind!

(…)


Auszug aus der 4. Szene

(…)

Manni: Also gut: Ganz langsam zum Mitdenken. Ich hatte doch eine wirklich geniale Idee, heute morgen die gleiche Bank noch mal zu überfallen, richtig?

Chantal: Willst du die etwa noch mal überfallen?

Manni: Ich glaube, das erübrigt sich, da gibt es heute nichts mehr zu holen. – Aber der Überfall gerade aus den Nachrichten auf die Sparkasse in diesem … (er sucht in der Karte) in diesem Niederstedt-Oberkirchen … Bei dem Überfall wurde nichts erbeutet!

Chantal: Ach, die Armen! Dann geht es denen ja genau so wie uns!

Manni: Mit dem Unterschied, dass man sie geschnappt hat. – Auf jeden Fall ist die Sparkasse hier doch goldrichtig für uns!

Chantal: Wieso?

Manni: (euphorisch) Bonnie! Dass da heute noch mal jemand auftaucht, damit rechnet doch kein Mensch!

Chantal: (begreift langsam) Ach so! Du meinst, die freuen sich da alle wahnsinnig riesig, dass der eine Überfall nicht geklappt hat und kriegen einen Riesenschreck, wenn wir kommen?

Manni: Ganz genau! Also gut, die Sparkasse schließt um 16 Uhr. Jetzt ist es kurz vor drei, also schlagen wir am besten kurz vor Schalterschluss zu.

Chantal: Wann ist das?

Manni: So gegen sechzehn Uhr, wenn sie zumachen?

Chantal: Okay!

Manni: Ich schätze, dass wir bis dahin ungefähr eine halbe Stunde brauchen werden, also sollten wir uns ein bisschen beeilen.

Chantal: Wie sieht dein Plan aus?

Manni: Eh … (er hält inne) So, dass diesmal nichts, aber wirklich auch gar nichts schief gehen kann. (Er denkt nach.)

Chantal: Ich steh wieder an der Tür und pass auf, dass niemand kommt.

Manni: Nein. Diesmal gehe ich ganz alleine rein.

Chantal: Was?

Manni: (hat plötzlich eine Idee) Ja, genau! So machen wir es! (Er geht zu ihr.) Ich habe eine supertolle Aufgabe für dich! Wenn ich ausgestiegen bin, rutscht du rüber auf den Fahrersitz und passt auf, dass der Motor nicht ausgeht, ja? Du musst den Motor auf jeden Fall laufen lassen. Der Motor darf unter gar keinen Umständen ausgehen, hast du das kapiert?

Chantal: Ich bin ja nicht blöd!

Manni: Gut! Wenn ich aus der Sparkasse rauskomme, fährst du los!

Chantal: Ich soll nicht warten, bis du eingestiegen bist!

Manni: (erstarrt ungläubig, schüttelt den Kopf) Doch, ja, natürlich. Entschuldige bitte, wie dumm von mir! Du fährst natürlich erst dann los, wenn ich eingestiegen bin und die Beifahrertür geschlossen habe!

Chantal: Manni! Ein bisschen nachdenken!

(…)


Auszug aus der 6. Szene

(…)

Manni: (stürmt durch die Tür herein. Er läuft kopfschüttelnd durch den Raum, immer in dem Bemühen, seine Fassung wieder zu finden. Er setzt sich auf eine Kiste und lässt den Kopf müde in die Hände fallen.)

Chantal: (öffnet lautlos die Tür und kommt vorsichtig herein. Ganz langsam schleicht sie durch den Raum Richtung Durchgang. Als sie ihn fast erreicht hat, wird sie von Manni aufgehalten.)

Manni: (ohne aufzusehen) Was hast du dir dabei gedacht?

Chantal: Redest du wieder mit mir?

Manni: Siehst du hier sonst noch jemanden?

Chantal: (sieht sich um) Nein.

Manni: Dann frag mich nicht so ein dummes Zeug.

Chantal: Es tut mir leid.

Manni: (blickt langsam hoch und sieht sie an) Es tut dir leid?

Chantal: Ja.

Manni: Etwas besseres fällt dir nicht ein?

Chantal: Nein.

Manni: (vergräbt das Gesicht wieder in den Händen) Was habe ich dir gesagt?

Chantal: Was hast du mir gesagt?

Manni: Was solltest du mit dem Wagen machen?

Chantal: Fahren?

Manni: Und?

Chantal: Den Motor nicht ausgehen lassen?

Manni: Und?

Chantal: Weiß nicht.

Manni: (seufzt) Was solltest du gestern Abend noch machen?

Chantal: (überlegt) Gestern Abend?

Manni: (kommt forsch hoch) Ja. Gestern. Sonntag. Gestern Abend.

Chantal: Zur Tankstelle fahren?

Manni: (vergräbt das Gesicht wieder in den Händen) Und?

Chantal: Bier und Schokoriegel mitbringen?

Manni: Und?

Chantal: Weiß nicht.

Manni: (kommt langsam hoch) Tanken. Volltanken. Du solltest den Wagen volltanken. Wenn es nur darum gegangen wäre, Bier und Schokoriegel einzukaufen, hättest du doch nicht zur Tankstelle fahren müssen. Das hättest du auch irgendwo anders besorgen können!

Chantal: Was denn? Sonntag Abend?

Manni: (nach Fassung ringend) Warum hast du nichts gesagt?

Chantal: Was hätte ich denn sagen sollen?

Manni: Du hättest verdammt noch mal sagen können, dass du nicht getankt hast!

Chantal: Du hast mich ja nicht gefragt!

Manni: (fassungslos) Was? – Was habe ich gesagt, als du wieder da warst?

Chantal: Was hast du gesagt?

Manni: Ich habe dich gefragt: »Warst du bei der Tankstelle?«

Chantal: Richtig.

Manni: Und was hast du gesagt?

Chantal: Dass ich bei der Tankstelle war.

Manni: Na?

Chantal: Ja, das war doch auch nicht gelogen! Ich war doch bei der Tankstelle und hab Bier und Schokoriegel geholt. Hättest doch mal fragen können, als ich wieder da war: »Hast du auch getankt?« Dann wäre ich noch mal losgefahren und hätte getankt. Aber du hast nur gefragt: »Warst du bei der Tankstelle?« Verstehst du?

(…)


Informationen


Besetzung: 1 Dame, 1 Herr
Deko: 1 Deko

Uraufführung:
März 1999, m&m theater im Rotationstheater, Remscheid-Lennep

Niederdeutsche Erstaufführung:
Oktober 2009, Niederdeutsche Bühne Schleswig, Schleswig
(Übersetzung: Renate Wedemeyer)

Italienische Erstaufführung:
Februar 2010, Theatergruppe Raas, I-Raas / Natz Schabs

Österreichische Erstaufführung:
März 2010, Welser Bühne, A-Wels

Schweizer Erstaufführung:
April 2010, Hof-Theater, CH-Visp

Aufführungsrechte:
Vertriebsstelle und Verlag (VVB), Norderstedt (Hochdeutsch)
Vertriebsstelle und Verlag (VVB), Norderstedt (Niederdeutsch)

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.